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Wie genau rechnet dieser Rechner?
Kurz erklärt, wie die Schätzung zustande kommt – von der Formel über das Essen bis zur Spanne im Diagramm.
Wie verändert Essen den Pegel?
Essen beeinflusst vor allem, wie schnell und wie hoch dein Pegel steigt. Fett- und eiweißreiche Mahlzeiten halten den Alkohol länger im Magen, bevor er in den Dünndarm gelangt, wo der Großteil ins Blut übergeht. Die Aufnahme zieht sich dadurch in die Länge – der Spitzenwert fällt niedriger aus und kommt später.
Auch auf die wirksame Menge hat Essen einen Effekt: Bei vollem Magen wird ein größerer Teil des Alkohols schon in Magen und Leber abgebaut, bevor er überhaupt ins Blut gelangt – das sogenannte Resorptionsdefizit. Je mehr du gegessen hast, desto größer fällt dieser Abschlag aus. Was tatsächlich im Blut ankommt, muss der Körper am Ende trotzdem vollständig abbauen, und das braucht Zeit.
Deshalb gibt es bei den Körperdaten das Feld „Gegessen?“. Je nach Auswahl (nichts, etwas, viel) rechnet der Rechner mit einer längeren Resorptionsdauer und einem größeren Resorptionsabschlag. Die durchgezogene Linie – und damit der „Jetzt“-Wert und die Pegellatte – bleibt bewusst vorsichtig: voller Alkoholgehalt, mittlerer Abbau von 0,15 ‰ pro Stunde. Die schattierte Fläche darum zeigt eine plausible Bandbreite: obere Grenze mit vollem Peak und langsamem Abbau (0,1 ‰/h), untere Grenze mit Resorptionsabschlag (10–30 % je nach Magenfüllung) und schnellem Abbau (0,2 ‰/h). Eine grobe Orientierung, kein exakter Vertrauensbereich.
Was bringen die drei Berechnungsmodelle?
Standardmäßig rechnet dieser Rechner nach dem klassischen Widmark-Modell: Die Gramm reinen Alkohols werden durch das Körpergewicht mal einen festen Verteilungsfaktor geteilt (rund 0,68 bei Männern, 0,55 bei Frauen). Das ist einfach, seit fast einem Jahrhundert etabliert und vor Gericht anerkannt. Der feste Faktor kennt aber nur Gewicht und Geschlecht – zwei gleich schwere Menschen mit sehr unterschiedlichem Körperbau bekommen denselben Wert, obwohl ihr Körperwasseranteil verschieden ist.
Gibst du unter „Körperdaten“ optional deine Größe an, kannst du auf das verfeinerte Modell nach Seidl umschalten. Es behält die Widmark-Grundformel bei, berechnet den Verteilungsfaktor aber aus Gewicht und Größe statt aus einer festen Zahl. In Trinkversuchen stimmten die so berechneten Werte deutlich besser mit tatsächlich gemessenen Blutwerten überein als mit dem starren Faktor.
Das Modell nach Watson geht noch einen Schritt weiter: Es schätzt aus Größe, Gewicht und (bei Männern) Alter zunächst das Gesamtkörperwasser und leitet daraus den Verteilungsfaktor ab. Physiologisch ist das der individuellste Ansatz und gilt in der Fachliteratur als bevorzugte Grundlage zur Abschätzung des Körperwassers. Wichtig: Alle drei Modelle ändern nur den Verteilungsfaktor – die Aufnahme und der Abbau (rund 0,15 ‰ pro Stunde) bleiben gleich, und alle liefern weiterhin eine Schätzung, keine Messung. Ohne zusätzliche Angaben bleibt das klassische Widmark aktiv.
Mythen & Weisheiten rund um den Pegel
Was ist dran an den Sprüchen vom Stammtisch? Eine nüchterne Einordnung – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit Blick auf die Fakten.
„Bier auf Wein, das lass sein“ – hat die Reihenfolge Einfluss auf Pegel oder Kater?
Für den reinen Alkoholpegel gilt: Deine Leber interessiert sich nicht dafür, in welcher Reihenfolge der Alkohol angekommen ist. Entscheidend ist allein die gesamte Menge reinen Alkohols, dein Körpergewicht und die Zeit – genau die Größen, mit denen auch dieser Rechner arbeitet. Ob erst Bier, dann Wein oder umgekehrt: Bei gleicher Alkoholmenge landest du beim gleichen Promillewert.
Der Spruch hält sich trotzdem hartnäckig, und das hat einen psychologischen Kern. Wer mit leichtem Bier startet und später zu hochprozentigem Wein oder Schnaps wechselt, trinkt oft unbemerkt schneller mehr Alkohol – der Pegel steigt steiler an, als es sich anfühlt. Der Wechsel „nach oben“ begünstigt also das Übertreiben, nicht die Reihenfolge an sich.
Eine kontrollierte Studie der Universität Witten/Herdecke und der University of Cambridge (2019) fand keinen Beleg dafür, dass die Reihenfolge den Kater beeinflusst – weder Art noch Reihenfolge der Getränke veränderten die Kater-Stärke signifikant. Kurz: Der Kater kommt von der Menge, nicht von der Choreografie. „Bier nach Wein“ ist eher eine Merkhilfe fürs Maßhalten als eine biologische Wahrheit.
„Ein Schnaps zum Essen hilft bei der Verdauung“ – stimmt das?
Das wärmende Gefühl nach einem Verdauungsschnaps ist real, die Wirkung dahinter aber eine andere als gedacht. Alkohol verlangsamt die Magenentleerung tendenziell, statt sie zu beschleunigen. Das schwere, üppige Essen bleibt also eher länger im Magen – der Schnaps kaschiert das Völlegefühl nur, weil Alkohol die Wahrnehmung dämpft und die Muskulatur entspannt.
Was viele als „Verdauungshilfe“ erleben, ist vor allem der bittere Kräuteranteil vieler Digestifs: Bitterstoffe können den Speichel- und Magensaftfluss anregen. Dafür braucht es aber keinen Alkohol – ein bitterer Tee oder ein alkoholfreier Kräuterauszug leistet dasselbe, ohne den Pegel zu heben.
Für deinen Alkoholstand zählt der Schnaps ganz normal mit: 2 cl mit 40 % sind rund 6 Gramm reiner Alkohol. Als gemütlicher Abschluss eines Essens ist dagegen wenig einzuwenden – nur „verdauen“ tust du dann eher trotz als wegen ihm.
Kann man den Alkohol-Abbau durch Kaffee, Dusche oder andere Dinge beschleunigen?
Leider nein. Der Körper baut Alkohol mit einer weitgehend festen Geschwindigkeit ab – rund 0,1 bis 0,2 ‰ pro Stunde (im Mittel etwa 0,15), unabhängig davon, was du sonst tust. Dieser Abbau läuft fast vollständig über die Leber und lässt sich weder durch Kaffee, kalte Duschen, frische Luft, Sport noch durch Erbrechen nennenswert beschleunigen.
Kaffee und andere Wachmacher tun genau das: Sie machen wach. Das ist sogar tückisch, denn Koffein überdeckt die Müdigkeit, ohne die Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination aufzuheben. Man fühlt sich fitter, als man ist – gefährlich vor allem am Steuer.
Das Einzige, was wirklich hilft, ist Zeit. Genau die zeigt dir die „Nüchtern ab“-Schätzung in diesem Rechner: eine grobe Prognose, wann dein Pegel rechnerisch wieder bei 0,0 ‰ liegt. Der Rechner rechnet dabei mit dem mittleren Abbauwert von 0,15 ‰ pro Stunde; die schattierte Fläche im Diagramm zeigt die mögliche Spanne von 0,1 bis 0,2 ‰ pro Stunde. Bis dahin hilft kein Trick – nur warten.
„Frauen vertragen weniger als Männer“ – warum rechnet der Rechner mit verschiedenen Faktoren?
An dem Spruch ist im Durchschnitt etwas dran, aber die Erklärung ist biologischer als kulturell. Alkohol verteilt sich im Körperwasser, und Muskelgewebe enthält deutlich mehr Wasser als Fettgewebe. Weil der weibliche Körper im statistischen Mittel einen etwas höheren Fettanteil hat, verteilt sich dieselbe Alkoholmenge auf weniger Körperwasser – der Promillewert fällt höher aus.
Genau das bildet der sogenannte Verteilungsfaktor nach Widmark ab: Dieser Rechner nutzt rund 0,68 für Männer und 0,55 für Frauen. Bei gleichem Gewicht und gleicher Trinkmenge kommt für Frauen daher rechnerisch ein höherer Pegel heraus. Hinzu kommt, dass Frauen im Schnitt etwas weniger vom alkoholabbauenden Enzym Alkoholdehydrogenase im Magen haben.
Wichtig ist das Wort „Durchschnitt“: Ein muskulöser, leichter Mann kann einen ungünstigeren Wert haben als eine kräftige Frau. Der Faktor ist eine Näherung für den Bevölkerungsschnitt, kein individuelles Messergebnis – deine persönliche Tagesform kann deutlich abweichen.
„Alkohol ist ein gutes Schlafmittel“
Einschlafen ja, gut schlafen nein. Alkohol wirkt beruhigend und verkürzt oft die Zeit bis zum Einschlafen – daher das Gefühl, er helfe. Doch sobald der Körper ihn abzubauen beginnt, kippt die Wirkung ins Gegenteil: Die zweite Nachthälfte wird unruhiger, mit häufigerem Aufwachen und flacherem Schlaf.
Besonders leidet der REM-Schlaf, die für Erholung und Gedächtnis wichtige Traumphase. Alkohol unterdrückt sie zunächst, später „holt“ der Körper sie in Fragmenten nach – das Ergebnis sind lebhafte Träume, Schwitzen und das bekannte Aufwachen um vier Uhr morgens. Auch die entspannende Wirkung auf die Rachenmuskulatur verstärkt Schnarchen und Atemaussetzer.
Unterm Strich schläfst du nach einem Absacker schneller ein, aber schlechter durch – und wachst weniger erholt auf. Als Schlafmittel ist Alkohol daher ein schlechter Deal, der den Kater am nächsten Morgen zusätzlich befeuert.
„Teurer Alkohol macht keinen Kater“ – liegt es am Preis?
Der Preis ist die falsche Fährte. Die Hauptursache für den Kater ist schlicht die Menge an Alkohol plus die Wirkung als Zellgift und Entwässerer – und die ist im teuren wie im günstigen Getränk chemisch identisch. Wer viel trinkt, katert, egal was auf dem Etikett steht.
Einen kleinen wahren Kern gibt es bei den sogenannten Begleitstoffen (Fuselalkohole und Aromastoffe, fachlich „Kongenere“). Dunkle Spirituosen wie Whisky, Cognac oder Rotwein enthalten davon mehr als klare wie Wodka oder Gin, und diese Stoffe stehen im Verdacht, den Kater zu verstärken. Mit dem Preis hat der Gehalt an Begleitstoffen aber wenig zu tun – ein teurer Whisky kann davon mehr enthalten als ein billiger Wodka.
Was den Kater bei hochwertigen Getränken oft mildert, ist das Trinkverhalten: Guten Wein nippt man langsamer und in kleineren Mengen als Billigsekt auf einer Party. Nicht der Preis rettet dich also, sondern das Tempo und die Menge.
„Wer viel trinkt, verträgt mehr“ – schützt Gewöhnung vor hohen Promillewerten?
Gewöhnung ändert vor allem, wie sich der Alkohol anfühlt – nicht, wie viel im Blut ist. Wer regelmäßig trinkt, entwickelt eine Toleranz: Das Gehirn reagiert weniger empfindlich, man wirkt und fühlt sich bei gleichem Pegel weniger betrunken. Der Promillewert selbst ist aber exakt derselbe wie bei einem Ungeübten.
Das ist die eigentliche Gefahr dieser „Verträglichkeit“: Man unterschätzt den eigenen Zustand. Bei einer Verkehrskontrolle zählt allein der gemessene Wert, nicht das subjektive Gefühl der Nüchternheit. Wer 1,3 ‰ hat, sich aber fit fühlt, ist trotzdem im strafrechtlich relevanten Bereich.
Langfristig ist eine hohe Toleranz zudem ein Warnsignal, kein Kompliment: Sie zeigt, dass sich der Körper an regelmäßigen Konsum angepasst hat, und geht oft mit steigenden Trinkmengen einher. Dieser Rechner kennt keine Gewöhnung – er zeigt dir den nüchternen Zahlenwert, unabhängig davon, wie „sicher“ du dich fühlst.
„Die Fahne verrät alles“ – wann und wie lange riecht man nach Alkohol?
Die berüchtigte Fahne entsteht kaum im Mund, sondern in der Lunge. Sobald Alkohol im Blut zirkuliert, gibt ein Teil davon über die Lungenbläschen in die Atemluft ab – man riecht ihn also, solange messbarer Alkohol im Blut ist. Die Fahne ist damit kein oberflächlicher Mundgeruch, sondern ein direktes Abbild des Pegels, weshalb der Geruch auch nach dem Zähneputzen bleibt.
Als grobe Faustregel gilt: Solange dein Pegel über null liegt, riecht man es potenziell – und weil der Körper nur langsam abbaut, kann das viele Stunden dauern, bei einer durchzechten Nacht bis weit in den nächsten Vormittag. Der typische „Morgen-danach“-Geruch ist genau dieser Restalkohol, der noch abgebaut wird. Zusätzlich sorgt Alkohol für einen trockeneren Mund und begünstigt geruchsbildende Bakterien, was den Effekt verstärkt.
Gegen die eigentliche Fahne hilft weder Kaugummi noch Kaffee noch Mundspülung – sie überdecken den Geruch bestenfalls kurz, während der Alkohol weiter aus der Lunge kommt. Das Einzige, was die Fahne wirklich verschwinden lässt, ist derselbe Faktor wie beim Pegel: Zeit. Verschwindet der Geruch, heißt das grob, dass auch der Alkohol weitgehend abgebaut ist – ein Blutwert lässt sich daraus aber nicht ablesen.
„Naturwein macht keinen Kater“ – liegt es an den Sulfiten?
Für den Pegel ist die Frage schnell beantwortet: Ein Naturwein hat 12 bis 13 Prozent wie jeder andere Wein. Das Etikett sagt nichts über die Menge reinen Alkohols im Glas – und genau die verarbeitet dieser Rechner. Wer einen halben Liter Naturwein trinkt, landet beim selben Promillewert wie mit einem konventionellen Wein derselben Stärke.
Auch beim Kater ist die getrunkene Alkoholmenge der mit Abstand wichtigste Faktor. Begleitstoffe – sogenannte Kongenere wie Fuselöle, Tannine oder Acetaldehyd – spielen eine messbare, aber kleine Rolle. In einer kontrollierten Studie verursachte Bourbon, der ein Vielfaches an Kongeneren enthält, einen stärkeren Kater als Wodka; der Effekt des Ethanols selbst war jedoch deutlich größer. Zwischen zwei Weinen fällt dieser Unterschied ohnehin klein aus.
Bleiben die Sulfite, denen der schlechte Ruf vorauseilt. Für einen Zusammenhang zwischen Sulfiten und Kater gibt es keinen Beleg. Eine echte Sulfit-Empfindlichkeit betrifft eine kleine Gruppe und äußert sich als asthmatische Reaktion, nicht als Kopfschmerz am Morgen danach. Zum Vergleich: Getrocknete Früchte wie Aprikosen oder Rosinen enthalten ein Vielfaches der Sulfitmenge eines Glases Wein.
„Naturwein“ ist damit eine Aussage über die Herstellung, keine über die Verträglichkeit. Trag ihn wie jeden anderen Wein mit Menge und Prozentzahl ein – der Rechner unterscheidet nicht nach Etikett, und für den Pegel tut es dein Körper auch nicht.
Macht alkoholfreies Bier einen Pegel?
Praktisch nicht – aber „alkoholfrei“ heißt nicht „ohne Alkohol“. In Deutschland darf ein Bier als alkoholfrei verkauft werden, wenn es höchstens 0,5 % vol enthält. Wirklich nahe an null sind nur Biere, die ausdrücklich mit „0,0 %“ ausgezeichnet sind: Die liegen unter 0,05 % vol, also bei weniger als einem Zehntel davon.
Was das im Blut bedeutet, hat das Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg gemessen. Die Testpersonen tranken innerhalb einer Stunde 1,5 Liter alkoholfreies Bier mit 0,41 bis 0,42 % vol. In 67 auswertbaren Datensätzen war nur bei 20 Personen überhaupt Alkohol nachweisbar – der höchste gemessene Wert lag bei 0,0056 ‰. Die unterste Zone dieses Rechners beginnt bei 0,3 ‰, also beim mehr als Fünfzigfachen.
Die Rechnung dahinter kannst du hier nachvollziehen. 1,5 Liter mit dem gesetzlichen Höchstwert von 0,5 % vol entsprechen rund 5,9 Gramm reinem Alkohol. Für eine 75 kg schwere Person wären das nach Widmark gut 0,1 ‰ – wenn alles gleichzeitig im Blut landen würde. Tatsächlich verteilt sich die Zufuhr über die Trinkdauer, während der Körper rund 0,15 ‰ pro Stunde abbaut. Der Abbau ist schneller als der Nachschub, es sammelt sich also nichts an.
Zwei Einschränkungen. Wer wegen einer Alkoholabhängigkeit abstinent lebt, für den kann der Restalkohol – und mehr noch der vertraute Geschmack – ein Problem sein; hier ist „0,0 %“ die klarere Wahl. Und wer in kurzer Zeit sehr große Mengen trinkt, merkt das zwar nicht am Pegel, wohl aber am Magen.
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